Bilder der Ausstellung

Jackson Pollock

Ikarus (1945/46)

Aus dem weniger bekannten Frühwerk des Meisters des action-painting, Jackson Pollock, stammt das Werk „Ikarus“. Anders als in seinen späteren Bildern ist der Weg hin zur völligen Gegenstandslosigkeit hier noch nicht beschritten. Zwar sind konkrete Verweise auf Menschliches oder Gegenständliches nicht zu erkennen, doch wird durch die Anordnung der weißen Formen eine annähernd figürliche, vielleicht auch vogelhafte Form suggeriert. Durch die abstrahierende Darstellungsweise bleibt die Bedeutung vieler Bildzeichen jedoch rätselhaft und lässt sich nicht genau bestimmen.

Seinen Hang zum Symbolhaft-Mythischen verrät der Bildtitel. Mit der Bezeichnung als „Ikarus“, der in der antiken Sage aus Übermut zu nah an die Sonne heranfliegt und schließlich ins Meer stürzt, verknüpft er das zeitgenössische Werk mit einem zeitlosen Thema aus dem griechischen Mythos.

Joan Miró

Malerei (1925)

Als „Gift“ für seine malerische Tätigkeit bezeichnete Miró die konventionelle Malweise nach der Natur. Er selbst erstrebte die Befreiung vom Naturvorbild und verwendete daher eine ganz eigene Formsprache, die innerhalb der Abstraktion angesiedelt ist. Das Reduzieren der Formen und eine schnelle, fast flüchtige Malweise sind für ihn adäquate Mittel, denjenigen Zustand der Verzückung hervorzurufen, „der an der Seele kratzt“. Fantasie und Unbewusstes werden erst durch das Weglassen angeregt.

In skizzenhaften Zeichnungen fängt Miró zunächst die Formen ein, um sie später in genauerer Ausarbeitung noch zu verdeutlichen. So werden scheinbar unbestimmte Formen zu Gesichtern, Handschuhen, Flammen und Monden, die in einem verschatteten braunen Raum umher gleiten.

René Magritte

Die Komplizen des Zauberers (1926)

Im Werk Magrittes geht es immer wieder um den Traum, um das Erstaunen und Verwundern des Betrachters, manchmal auch nur um Provokation. Ein Spiel mit der Vorstellungskraft wird auch in „Die Komplizen des Zauberers“ getrieben. Die dargestellte Szene ist in ihren Bildelementen sehr reduziert und von einer erotischen Spannung geprägt.

Auf einem theaterbühnenhaften Boden, vor einer karg und trostlos wirkenden Bergkulisse, befinden sich in diesem Bild zwei nackte Frauenkörper, die in unterschiedlichen Teilen von goldgelben Röhren verhüllt sind. Ein rotes Netz enthüllt mehr als es verdeckt und betont die Erotik der dargestellten Szene. Zwar erscheint dem Betrachter die Zusammenführung der Elemente nicht unwahrscheinlich und jedes Element ist für sich erkennbar, dennoch lässt sich die Gesamtbedeutung nicht genau bestimmen und bleibt für verschiedene Interpretationen offen.

Leonor Fini

Zwei Frauen (1939)

Leonor Fini beschäftigte sich immer wieder mit dem Thema Androgynität. Dies mag seinen Ursprung in ihrer Kindheit haben, denn es heißt, sie sei als Kind zum Schutz vor einer Entführung durch den Vater als Junge verkleidet worden.

In der phantastischen Darstellung zweier Frauen könnte es sich daher – einer der unterschiedlichen Deutungsansätze nach – bei der weiblichen Figur in Männerbekleidung der Renaissance und brennenden Kerzen im Haar um ein Selbstbildnis handeln. Die zweite weibliche Figur, die sie scheinbar argwöhnisch durch das Schlüsselloch einer Tür beobachtet, trägt porträtähnliche Züge von Leonora Carrington. Diese war die Lebensgefährtin von Max Ernst. Fini war mit beiden befreundet und Ernst war wohl beiden Frauen zugetan. In der dunklen Erscheinung der knienden Figur kündigt sich vielleicht bereits der tatsächliche Verlust des Mannes wenig später an.

Max Ernst

Capricorne (1948)

Von der Ursprungsversion der Skulptur „Capricorne“ (Steinbock), von der auch zwölf Bronzeabgüsse existieren, blieben nur diese fünf Fragmente erhalten. Es handelt sich um eine plastische Collage aus allerhand Fundstücken wie Autofedern, Milchflaschen und Eierpappen, die mit Zement verbunden wurden. Der Künstler Max Ernst hat sie zerstört, als er sein Wohnhaus verließ, für das sie entstanden war. In seinem Haus auf dem „Capricorn Hill“ in Sedona, Arizona sollten die Figuren der Skulptur, König und Königin mit einem Kind, über das Heim wachen und dem Hügel als Monument dienen.

Auf Nachfrage nach der Bedeutung des Werks antwortete Ernst, es handle sich um ein Porträt seiner Familie. Diese teils scherzhaft gemeinte Antwort zeigt auch seine vom Surrealismus herkommende Abneigung gegen eindeutige und eindimensionale Erklärungen der Werke.

Max Ernst

Gemälde für junge Leute, 1943

Das „Gemälde für junge Leute“ kann als Resummée der künstlerischen Laufbahn Max Ernsts gelesen werden. Die Décalcomanie, ein hier verwendetes Abklatschverfahren, das den Zufall miteinbezieht, ist in seinem Gesamtwerk von zentraler Bedeutung. Das Prinzip „Bilder im Bild“ benutzt er ebenfalls schon vorher. Es tauchen ferner eine ganze Reihe für ihn charakteristischer Motive auf, wie etwa die Felslandschaft mit vegetabilen Formen. Die durch Zufallsstrukturen entstandenen zerklüfteten Felsformationen wirken wie morbide, urzeitlich-phantastische Landschaften.

Mit diesem Wiederaufgreifen der für ihn typischen Techniken und Motive erinnert er nicht ohne Wehmut daran, was er bei seiner Flucht aus Nazi-Deutschland in die USA zurücklassen musste. In diesem Sinne stellt das Gemälde eine eindringliche Botschaft für junge Leute gegen den Krieg dar.